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Die lebendend Dummys - Fehlendes Sicherheitsbewusstsein in Brasilien

In der zweiten und dritten Welt kommt nicht alles mit Verzögerung an. Sicherheitstechnik in Autos, die der Europäer oder Amerikaner schon seit Jahren oder Jahrzehnten kennt, glänzt in Brasilien praktisch durch Abwesenheit. Kreative DVD-Systeme zum Abspielen von Videoclips inklusive 5000-Watt-Verstärkung lässt sich hingegen in zahlreichen brasilianischen PKW finden. Das brasilianische Motto lautet also offenbar: Lieber unterhaltsam in den Tod, als leichtverletzt ins Krankenhaus. Angesichts brasilianischer Krankenhäuser durchaus nachvollziehbar.

Fahrzeuge ohne ABS, gleich welcher Klasse, waren in Deutschland bereits seit Anfang der neunziger Jahre unverkäuflich. Dieses Sicherheitsfeature gehörte seitdem zum unverzichtbaren Serienumfang selbst von Kleinwagen. Ebenso war es mit dem elektronischen Stabilitätsprogramm ESP, das Mitte der neunziger Jahre erstmalig bei Mercedes-Benz in der damaligen S-Klasse zum Einsatz kam und seit einigen Jahren zum elementaren Bestandteil von fahrbaren Untersätzen gehört. Bei Airbags verhält es sich nicht anders. Seit Mitte der neunziger Jahre waren praktisch alle Fahrzeugklassen serienmäßig damit ausgerüstet und heutzutage hat jedes in Deutschland verkaufte Fahrzeug mindestens 6 Airbags an Bord.

Wenn Sie sich in Deutschland einen in Brasilien hergestellten VW Fox zulegen, würden Sie kaum auf ABS und Airbags in der Serienausstattung verzichten. Der Brasilianer verzichtet jedoch trotz des umgerechnet gleichen Preises (ca. 10000 Euro zu 30000 Real) gern darauf. Und das, obwohl er aufgrund des durchschnittlich sechsfach geringeren Einkommensniveaus entsprechend länger auf sein Vehikel sparen muss, als der deutsche Konsument. Die Erklärung der Autoindustrie: Der Konsument fordere derartige Features nicht. Ist der Brasilianer also ein lebender Dummy, der freiwillig auf ein Maximum an Sicherheit verzichtet, um die Karosseriestruktur der Fahrzeuge und die Belastbarkeit des eigenen Körpers im Falle eines Unfalls zu studieren?

Diese Hypothese erscheint einerseits paradox, weil der Brasilianer als lebensfrohe Spezies gilt und folglich am Leben hängen müsste, andererseits logisch, weil die Mehrheit von ihnen ungebildet ist und die wichtigen Dinge im Leben nicht von den unwichtigen zu unterscheiden weiß. Originalzitat eines Brasilianers: „Ich brauche keinen Plastiksack als Airbag. Gott ist mein Airbag". Bei jährlich rund 50000 Verkehrstoten in Brasilien scheint Gott jedoch kein brauchbarer Airbag zu sein. Diese Zahl an Verkehrstoten ist den meisten unbekannt, und wenn sie ihnen bekannt wäre, würde sie keinerlei Überlegungen hervorrufen. Echte Dummys also.

Es gibt in Brasilien also tatsächlich Menschen, die 50 durchschnittliche Monatsgehälter (=50000 Real) für ein Fahrzeug ausgeben, das weder ABS noch Airbags, geschweige denn ESP besitzt. Dafür bauen sie sich dann nachträglich für 5000 Real Beschallungsanlagen ein, um die Umgebung über ihren Musikgeschmack zu informieren. Und wie Volkswagen es in Brasilien schafft, in Form eines „VW Parati" einen Wagen auf dem technischen Stand der Endachtziger für über 50000 Real zu verkaufen, ist für mich ein absolutes Rätsel. Aus geschäftlicher Sicht ist es allerdings ein genialer Wurf. Als ich in einem solchen Vehikel, Baujahr 2006, leihweise unterwegs war, fühlte ich mich ständig an einen Wagen erinnert, den ich vor langer Zeit in Deutschland fuhr: Einen Audi 80, Baujahr 1979. Dies geht tatsächlich nur mit unbedarften und unkritischen Konsumenten.

Es wird in Brasilien gewiss noch sehr lange dauern, bis die auf Käfer-Niveau befindliche Sicherheitstechnik gegen einen zeitgemäßen Standard ausgetauscht wird. Vielleicht geht es gar nur mit gesetzlichen Zwangsvorschriften, ähnlich denen, die in Brasilien den Betrieb von PKW mit Dieselmotoren verbieten. Warum sollte das, was aus energiepolitischen Gründen funktioniert, nicht auch aus Verbraucherschutz-Gründen machbar sein?

Steffen

27.04.2007

27.4.07 23:50

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